Erste Infoveranstaltung

Erste Informationsveranstaltung im Dorf: Projektidee und Arbeitsgruppen

Oberstes Prinzip in der nun folgenden Informations- und Motivierungsphase sollte sein, möglichst viele Menschen zunächst über die Projektidee und später jeweils über den aktuellen Stand der Planungen zu informieren. Transparenz ist während des gesamten Planungsprozesses sehr wichtig, damit keiner sich übergangen fühlt und nicht aus diesem Grund bei Einzelnen Unmut aufkommt, der in eine ablehnende Haltung gegenüber dem Projekt münden könnte.

Deshalb ist die Durchführung einer informierenden Dorfversammlung ein erster Schritt, wenn ein Dorf nach der Überprüfung den meisten der aufgestellten Kriterien genügt und die aktive Kerngruppe motiviert ist, weitere Mitstreiter für ihre Idee zu finden.

Diese Dorfversammlung dient mehreren Zielen:

Zum einen sollen die Dorfbewohner über das mögliche Bioenergiedorfprojekt mit all seinen Bedingungen und Auswirkungen informiert werden. Zum anderen sollen weitere Einwohner für die aktive Mitarbeit in dem Projekt motiviert werden. Die Anzahl der Teilnehmer an der Veranstaltung ist ein weiterer wichtiger Indikator bezüglich der Dorfeignung, weil sie den Initiatoren im Dorf erste Aufschlüsse über die Resonanz der Idee in der Bevölkerung liefert.

 

Die Dorfversammlung könnte wie folgt gestaltet werden:

■ Begrüßung durch den Bürgermeister und/oderein Mitglied der Aktivengruppe

■ Vorstellung der Projektidee in Form eines Vortrags

■ Klärung von Fragen und Diskussion der Idee

■ Einrichten von Arbeitsgruppen

 

Wer präsentiert die Projektidee?

Optimal wäre es, wenn eine oder mehrere „neutrale“ Personen, die nicht aus dem Dorf stammen, die Idee vorstellen (z. B. Unterstützung durch einen kommunalen „Betreuer“).

Das hat unter anderem den Vorteil, dass keine im Dorf bereits vorhandenen Vorbehalte gegen diese Person existieren, die die Einstellung zur neuen Projektidee negativ beeinflussen könnten.

 

Mögliche Inhalte einer Präsentation zur Vorstellung der Projektidee könnten sich am Umsetzungsprozess im Modelldorf Jühnde orientieren und folgendermaßen aussehen (vgl. auch beispielhaft die Powerpointpräsentation auf der beiliegenden DVD):

■ Einführung in das Thema: Warum sind Bioenergiedörfer sinnvoll? (Hintergrund des Klimawandels, Darstellung der Begrenztheit fossiler Energieträger wie Erdöl und Erdgas, Rückgang des Lebens auf dem Lande, Entwicklung der Ölpreise).

■ Alternative: Der Projektansatz des Bioenergiedorfs Jühnde (Gesamtüberblick).

■ Technisches Konzept der Bioenergieanlagen im Modelldorf Jühnde: Biogasanlage, Holzhackschnitzelheizwerk; Besonderheit: das zu verlegende Nahwärmenetz als Herausforderung für die Dorfgemeinschaft.

■ Biomassebereitstellung: Vorteile des erneuerbaren Energieträgers Biomasse, Möglichkeiten des Anbaus durch die Landwirte.

■ Gemeinschaftliche organisatorische und betriebliche Umsetzung: Bildung von Arbeitsgruppen zur gemeinschaftlichen Planung, Annahmen zu den finanziellen Auswirkungen für die Haushalte und die Landwirte, gesetzliche Rahmenbedingungen (u. a. EEG), Möglichkeiten der späteren betrieblichen Umsetzung (Betreibergesellschaft).

■ Ausblick: Wie kann es in unserem Dorf weitergehen?

Hier sollte ein möglicher zeitlicher Ablaufplan gezeigt werden und die Bildung von Arbeitsgruppen noch an dem Abend der Dorfversammlung angeregt werden (vgl. letzten Punkt).

Abschließend erfolgt eine Diskussion, bei der die Fragen der Dorfbewohner geklärt werden können. Weil sich grundsätzlich in großen Gruppen nicht alle Menschen trauen, ihre Fragen offen zu äußern, empfiehlt es sich, den Zuhörern dazu Karten und Stifte zu verteilen mit der Bitte, ihre Fragen zum Vorhaben, aber auch die wahrgenommenen Chancen und Hoffnungen sowie ihre persönlichen Befürchtungen zu notieren. Die Karten werden eingesammelt.

Anschließend gibt es eine Pause, in der die Fragen inhaltlich sortiert und gruppiert an eine Pinnwand gehängt werden. Die Gäste haben derweil Gelegenheit, etwas zu trinken und sich über die Projektidee auszutauschen. Die Erfahrungen im Landkreis Göttingen zeigen, dass die Bereitschaft der Menschen, an dieser Stelle tatsächlich Karten und Stift in die Hand zu nehmen, (vielleicht entgegen der Erwartung manches Bürgermeisters) sehr groß ist.

Zum Schluss der Veranstaltung sollte für die Bildung von Arbeitsgruppen geworben werden. In dieser Phase werden Aktive für drei Arbeitsgruppen benötigt:

■ „Öffentlichkeit“

■ „Biomasse“

■ „Technik“

An der Mitarbeit Interessierte sollten gebeten werden, sich in ausliegende Listen einzutragen, mit dem Hinweis, dass das Projekt nur von der Mitarbeit vieler einzelner Bürger lebt und deshalb auf diese angewiesen ist.

Außerdem sollte die Chance für jeden Einzelnen, sich über die Arbeitsgruppen mit seinen Bedürfnissen in die Planungen einzubringen und damit die Realisierung selbst mit zu gestalten, hier noch einmal hervorgehoben werden. Aus der ersten Aktivengruppe kann so eine „Initiative Bioenergiedorf“ werden.

 

Der Termin für ein erstes Treffen der Arbeitsgruppensollte möglichst auch an diesem Abend festgelegt werden, damit der Motivationsschub, den ein solcher Informationsabend mit sich bringen kann, nicht gleich wieder verpufft, sondern direkt in erste zu realisierende Schritte mündet. Von Anfang an wird hierdurch deutlich, dass alle Versammlungen und Besprechungen möglichst konkrete Vereinbarungen und die Klärung der nächsten Schritte als Ergebnis haben sollten.

Wenn sich nicht genügend Menschen finden, umvon Anfang an drei Arbeitsgruppen mit Leben zu erfüllen, kann zunächst eine Gruppe gebildet werden, in der alle Themen behandelt werden.

Der Ablauf der Dorfversammlung sollte protokolliert und das allgemeinverständlich gehaltene Protokoll an zentralen Orten wie Aushängekästen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Weiteres Auslegen oder Verteilen von Kopien im Ort empfiehlt sich, um auch diejenigen Haushalte zu erreichen, die keine Gelegenheit hatten, sich auf der Dorfversammlung

zu informieren.